Roggen Roll-Frühstücksfragen mit The Bridport Dagger

Lawrence Rice ist ein emsiger junger Mann aus London. Er spielt in einigen Bands, hat ein eigenes Plattenlabel, hat ein Studium als Illustrator abgeschlossen und designt lauter schicke Dinge, vom Plattencover bis hin zum Bandeigenem Tattoo (super Merch-Idee übrigens)… und was frühstückt er so? Der Toast wollte es wissen!

You can read the original interview in English here (plain text, no pics, so please have a look at the pics here on this page. The guys are very good looking.)

Wer bist du und wo bist du gerade im Moment?
Mein Name ist Lawrence Rice, ich spiele Gitarre in The Bridport Dagger, und wenn ich das nicht mache, dann schreibe ich Songs für mein Soloprojekt Little Hunter, oder meine zweite Band View of the Hawk, in der ich auch noch singe. Ich sitze gerade in meinem Schlafzimmer in Mile End, ich bin gerade von der Bandprobe zurück gekommen und check gerade meine emails, während ich darauf warte, dass meine Ohren wieder normal funktionieren.


Hörst du morgens schon beim aufwachen Musik? Wenn ja, welche?

Nein, normalerweise dusche ich erst mal, dann frühstücke ich und lese meistens dabei. Aber wenn ich dann das Haus verlasse, setze ich meine Kopfhörer auf und höre Musik. Ich denke, die Frage geht jetzt mehr in die Richtung “was hörst du auf deinem ipod”. Ich würde sagen, wenn ich nicht dringend in der Stimmung für was anderes bin, dann höre ich normalerweise Autechre. Ich habe mir ihren gesamten Back-Katalog runtergeladen und entweder ich höre etwas, was ich schon kenne oder ich such mir nach dem Zufallsprinzip ein Album aus und höre das komplett durch. Ich mag Autechre am Morgen, da in ihrer Musik genug Interessantes passiert, aber in den weniger melodiösen Momenten ist es sehr angenehm, es als Background Musik zu haben. Und es hilft mir beim denken.


Bist du ein Frühaufsteher oder ein Morgenmuffel?

Hm, eigentlich keins von beiden. Ich mag die Vorstellung, ein Frühaufsteher zu sein und wenn ich erstmal wach bin, liebe ich den Morgen. Es kann auch sehr konstruktiv sein, zusätzliche Zeit morgens zu haben (wenn man denn nicht auf Arbeit ist und dort seine Zeit verschwendet), aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich immer ausschlafen und ein bisschen Schlaf nachholen. Wenn ich aber zu lange liegen bleibe, fühle ich mich immer schuldig, weil ich so viel Zeit verschwende, und dann gerate ich in so einen Schuldkreislauf und bleibe noch länger liegen, weil ich ja eh schon den ganzen Tag verschwendet hab. Und je länger ich dann im Bett bleibe, desto schlechter fühle ich mich!!!

The Bridport Dagger
The Bridport Dagger, v.l.n.r., bzw. von hinten nach vorne: Lawrence, Arran, Jason

Hast du schon mal morgens einen Song geschrieben? Wie schreibst du deine Musik, was inspiriert dich?

Ich glaube nicht, dass ich schon jemals einfach aufgestanden bin und sofort in der Stimmung war, Songs zu schreiben. Normalerweise ist es so, dass ich sehr lange und sehr angestrengt versuche einen Song zu schreiben, ohne dass es zu etwas führen würde. Und dann gegen Ende des Tages, wenn ich schon dabei bin meine Gitarre weg zulegen, kommen mir die Songideen. In meiner Erfahrung kann es manchmal beim Songwriting echt hilfreich sein, wenn man verkatert ist und ich hab, was das betrifft, eine Theorie: Ich glaube, es liegt daran, dass die Gedanken nicht richtig fokussiert sind und es deshalb einfacher ist, sich zu entspannen, so als wäre der Teil deines Hirns, der dir normalerweise sagt, “Komm schon, schreib einen Song JETZT! Konzentrier dich, lass dir was Gutes einfallen” vom Alkohol unterdrückt, so dass der Rest von dir in Ruhe sein Ding machen kann.


Und wie ist der Songwritingprozess in The Bridport Dagger, wenn ihr alle zusammen arbeitet?

Es ist für gewöhnlich recht spontan. Natürlich gibt es Songs, bei denen jemand schon mit einem bestimmten Teil zu den Proben kam, aber das meiste richtig gute Zeug entsteht, wenn einer von uns auf’s Klo geht und die anderen einfach rumspielen bis derjenige wiederkommt. Derjenige kommt dann zurück und steigt mit ein. Es ist übrigens echt ein großartiges Gefühl, wenn du derjenige bist, der den Raum verlassen hat. Du kommst dann zurück durch den Korridor und du hörst diesen gedämpften Lärm, den du nicht erkennst, dann machst du die Tür auf und auf einmal ist alles klar … und dann greifst du dir deine Gitarre…


Einer der Songs auf eurer neuen Single heißt „Rock And Roll“. Wie müsste deiner Meinung nach ein guter Rock ‘n’ Roll-Song sein?

Du meine Güte! Also, Rock and Roll sollte im Grunde schlicht sein, er sollte also zuerst einmal einfach sein – eine richtig simple Gitarrenlinie, die einen denken läßt, “Gott, wie kann’s sein, dass mir das nicht eingefallen ist?” Er sollte nicht unbedingt schlecht gespielt sein, aber lass uns doch einfach mal sagen, dass technische Fertigkeit nicht im Vordergrund stehen sollte. Er sollte ehrlich, schnell, einfach und laut sein!


Woher kommt der Name „The Bridport Dagger“?

Also man kann das über Suchmaschinen herausfinden; es ist ein alter Slang Begriff: Es gibt eine Stadt an der Küste, in der Nähe von Cornwall glaub ich, die heißt Bridport. Dort haben sie früher sehr viel Seil hergestellt. Und die haben auch die Stricke hergestellt, die überall im Land dazu benutzt wurden, Leute zu erhängen. Und so wurde “getting stabbed by a Bridport Dagger”* der Slang Ausdruck für “erhängt werden”.

* (“von einem Bridport Dagger/Dolch erstochen werden”)

Das Tattoo von The Bridport Dagger

Was ist gerade dein Lieblingssong von den Bridport Dagger und warum?

Wir arbeiten gerade an ein paar Songs, die gerade richtig Form annehmen, aber von unseren derzeitigen Songs wäre es wohl Spanish One. Das war einer von denen, die ich gehört hab, bevor ich in der Band war und wegen dem ich deren Platte unbedingt veröffentlichen wollte. Ich finde, er zwingt dich einfach dazu zuzuhören; er ist sanft, verglichen mit einigen der anderen Sachen und er hat eine wirklich schwermütige Qualität, und einen großartigen Text. Es fängt an mit der Zeile “through the doorway, across the hall, they’re chasing my steps…” und geht genauso großartig weiter. Ich hab den mal in einer U-Bahn Station gehört, während ich von einem Bahnsteig zum anderen gelaufen bin und der hat einfach so gut zu den gekachelten Tunneln und den Gesichtern der Menschen gepasst…
Lawrence, Jason, Arran
The Bridport Dagger
v.l.n.r.: Lawrence, Jason und Arran

Was ist deiner Meinung nach das perfekte Frühstück nach einem Konzert und einer Nacht mit zu viel Alkohol und zu wenig Schlaf?

Keine Frage – Eier- und Speck-Sandwich! Das Brot sollte aus Vollkorn sein, oder was immer du zur Hand hast, mit so so vielen Kernen und Körnern wie möglich. Normales Weißbrot bringt’s nicht. Leicht getoastet und gebuttert. Dann 3 Scheiben guten Frühstücksspeck ausbraten, bis der Speck knusprig ist, dazu ein Ei, leicht verschlagen, und während es brät, zu einem Viereck falten, so dass es perfekt auf den Toast passt. Zuerst legst du den Speck auf eine Scheibe Toast, darauf kommt Brown Sauce, dann das Ei, dann Ketchup, und dann oben drauf die andere Scheibe Toast. Dazu einen Becher Tee (ohne Zucker) und ein paar Schokoladenkekse, nachdem das Sandwich verputzt wurde.

Hast du irgenwelche schlechten Frühstücksgewohnheiten?
Hm, ich weiß nicht recht. Da müßtest du wohl meine Mitbewohner fragen… Normalerweise, wenn ich Cornflakes oder Müsli zum Frühstück hatte, spül ich die Schüssel nur mit heißem Wasser aus anstatt sie richtig mit Spülmittel abzuwaschen, weil ich mir denke, sie wurde ja nur kurz benutzt. Zählt das? Vielleicht auch, dass ich absolut keine Bedenken hab, die letzte Milch zu verbrauchen anstatt sie für die anderen aufzuheben. Ich denk mir halt, wenn ich früher auf bin als sie, hab ich die Milch auch mehr verdient als sie.


Was sind deine nächsten Pläne, mit der Band und solo?

Also, ich hab nicht wirklich irgendwelche konkreten Pläne – mit Bridport Dagger sind wir gerade dabei unsere nächste Single “Slipped Disco” rauszubringen, auf meinem Plattenlabel Death Records. Ich war also die letzte Zeit damit beschäftigt das alles zu regeln.
Außerdem stehen für View of the Hawk demnächst einige Live-Termine an, oh, und ich glaube wir müssen uns für die Band einen neuen Bassisten suchen, weil der, den wir im Moment haben, einfach nicht die nötige Zeit hat. Das sind also so die zwei Hauptprioritäten.
Ich liebe mein Solo Zeug, aber ich hab da im Moment nicht wirklich Zeit für. Und ich finde es auch echt schwer mich dazu zu motivieren, Gigs dafür zu finden und Promotion zu machen, weil es so viel persönlicher ist und weil ich das eben ganz alleine bin, es schmerzt dann einfach so viel mehr, wenn man das Gefühl hat, dass keiner zuhört.


Die letzte Frage! Magst du irgendwelche Musik aus Deutschland?

Ich bin sicher, daß meine Freundin aus Bayern mir mal ein Tape einer Band namens Slut aus Deutschland vorgespielt hat. Aber ich hab die seitdem nie wieder gehört und ich bin sicher, daß meine Freundin, als ich sie das letzte Mal gefragt hab, sich nicht daran erinnern konnte. Ich besitze Kraftwerks “The Man Machine”, aber ich hab mir die noch nie angehört. Aber neulich hab ich einen ihrer Tracks gehört, “Tour De France”, und fand, der klang echt gut. Ich glaube, Can würden mir gefallen, aber zu denen bin ich einfach noch nicht gekommen. Eine Band gibt es noch, die ich noch gerne höre, auf die mich mein Freund Saif (der Schlagzeuger von View of the Hawk) gebracht hat, die heißen Colour Haze und ich glaube, der Gitarrist betreibt das Label Elektohasch Records. Das ist ‘ne schöne Sache, weil es so scheint, als würden sie versuchen, damit eine eigene Szene für ihre Musik zu schaffen, was immer gut zu sehen ist.

Fotos von Stew Ruffles
Übersetzung von Inga. 1000 Dank, Inga!

http://www.myspace.com/thebridportdagger

Die Single gibt es auf Vinyl ab dem 17.August, aber man kann die Songs jetzt schon als Download kaufen:
iTunes (Download)
7digital (Download)
Amazon (Download)
Norman Records (Vinyl)
HMV (Vinyl)

Ähnliche Beiträge zum Thema:

Tags:

15 Responses to “Roggen Roll-Frühstücksfragen mit The Bridport Dagger”

  1. Inga Says:

    In der dritten Zeile der ersten Antwort fehlt ein ‘k’ und ein ‘ich’.

    Das mit der Schüssel mach ich genauso; dafür muß man echt keine Chemie den Ausguß runterjagen.

  2. Toast Says:

    Danke, hab ich verbessert!

    Ja, aber die Begründung ist irgendwie niedlich.

  3. Inga Says:

    Ist sie.
    Das sollte eigentlich auch nur meine Antwort auf die Frage sein, ob das denn zählen würde. :)

  4. Inga Says:

    Moment mal, das ‘k’ von Hawk fehlt ja immer noch.

  5. Toast Says:

    Gott, ich bin ja so eine blinde Nuß. Hab es jetzt korrigiert. Danke.

  6. Inga Says:

    Ach, wenn man so früh aufsteht ist das ja wohl verständlich. :)

  7. Toast Says:

    Ja, genau! Wie nett von dir!
    Heute hat meine Konzentration extrem schnell abgenommen, ganz komisch. Irgendwie ist es so, je müder ich bin, desto schnell schlafft meine Konzentration ab. Da merke ich schon, dass drei Stunden doch eine lange Zeit sind.

  8. kiezterror Says:

    Schönes Interview! Wobei ich persönlich finde, dass man die Antworten auf die Fragen nach dem perfekten Frühstück und den schlechten Frühstücksgewohnheiten lieber hätte austauschen sollen.

    Obwohl, trotz der Frühstücksgewohnheiten, die mir alleine beim lesen den Magen ein wenig umdrehen, muss man sagen, musikalisch sind “The Bridport Dagger” wirklich gut.

  9. Toast Says:

    Hier Kiezterror, für dich:

  10. Toast Says:

    Und noch eins:

  11. Toast Says:

    Oh wow!
    Ich glaube, Lawrence trägt einen Toast On Fire-Button!!!!!!
    Bei dem unterem Video zoomt die Kamera dicht an ihn ran und da sieht man es!!! Bei ca. 1:31! Der untere von seinen vier Buttons!

    Ich hab ja mittlerweile fast alle 50 Stück unter die Leute gebracht, aber ich hab bislang niemanden gesehen, der einen Button auch wirklich trägt.

    Boah, ich bin ja soooo geschmeichelt…

  12. Inga Says:

    Der trägt den Button. Wie geil ist das denn?!
    Glückwunsch. … oder was auch immer in einem solchen Fall angebracht ist. :)

  13. Toast Says:

    Ja, Glückwunsch finde ich völlig angemessen. Vielen Dank. Kommt ja nicht alle Tage vor, dass ein cooler Musiker meinen Button trägt. Und dann noch in England!

    Wie findest du denn die Videos? Sind doch ganz gut gelungen. Ich finde den Drumsong super, das hat bestimmt viel Spaß gemacht, da so rumzutrommeln.

  14. Inga Says:

    Ach, ich hab mir die Videos noch gar nicht angeschaut; ich hab dir das mit dem Button einfach mal geglaubt (anstatt selbst nachzuprüfen). :)

  15. Toast Says:

    Oh!

Leave a Reply